Zervikogener Schwindel

Zervikogener Schwindel (von der Halswirbelsäule (HWS) kommend)

Die Halswirbelsäule hat eine wichtige Funktion im Gleichgewichtssytem. Da jede einzelne Komponente des Gleichgewichts Systems normal funktionieren muss, damit man keinen Schwindel hat, ist es nur logisch, dass bei einer Störung in diesem Bereich zu Schwindel kommen kann. Zervikogener Schwindel ist daher eine mögliche Schwindelursache und darf nicht übersehen werden.

Leider neigen viele Mediziner dazu immer nur in den Kategorien „Gibt es oder gibt es nicht“ zu denken. Dieses Scheuklappen denken ist eine der größten Blockaden im Fortschritt der Medizin. Es gibt zu wenige „Es könnte doch sein“ Denker in den Schlüsselstellen der Forschung, zu wenig echte Forscher.

Viele Jahre war es ein lustiger Wettstreit auf den diversen Kongressen, dass die „Halswirbelsäulen – Fanatiker“ gegen die „Es gibt keinen zervikogenen Schwindel“ – Glaubensgruppen in offenen Duellen gegeneinander angegangen sind. Keiner der beiden Extreme hatte am Ende noch einen Blick für Ausnahmen von Ihrer Regel. Der eine hat alles auf die Wirbelsäule geschoben, der Andere diese Möglichkeit gänzlich ausgeschlossen.

Ich komme aus einer Schule, bei der alles auf die Halswirbelsäule geschoben wurde. Die klinische Erfahrung und der Umgang mit Patienten hat mich gelehrt, dass die Gegner in vielen Fällen Recht hatten. Aber auch umgekehrt manchmal die Halswirbelsäule der Schlüssel zum Erfolg ist.

Um einen Halswirbelsäulenschwindel von einer reaktiven Halswirbelsäulen – Blockierung zu unterscheiden ist es unerlässlich eine vollständige Gleichgewichtsdiagnostik durchzuführen, bevor durch Manipulationen oder Eingriffe an der Halswirbelsäule irreparabler Schaden entsteht.

Zervikogener Schwindel
Der Kopf wird durch eine Vielzahl von Muskeln und Sehnen mit der Halswirbelsäule verbunden. Bei Fehlfunktionen kann es zu Schwindel kommen

Im Grunde muss man sich eines Ausschluss – Prinzips bedienen, um zur Lösung zu kommen. Gehen wir mal von dem einfacheren Fall aus, dass mein Patient nicht beide Krankheitsbilder gleichzeitig hat:

  • Ein zervikogener Schwindel macht keine messbare Veränderung am Gleichgewichtsorgan z.B. in der kalorischen Prüfung im VNG 
  • In einer objektiven Messmethode wurde ein erkennbarer Zusammenhang zwischen der Kopfhaltung und dem Schwindel erkannt.

Die einzige Untersuchungsmethode, die diese Möglichkeit besitzt einen Zusammenhang von Schwindel und HWS herzustellen ist die Posturographie. Der Untersucher muss dazu die Wirbelsäule nicht anfassen. Optimalerweise weiß der Patient nicht, dass hier auch die Wirbelsäule untersucht wird.

Unser Gleichgewichtsorgan bedient sich aller verfügbaren Rezeptoren „Fühlern“ in unserem Körper die die Lage des Körpers aber v.a. des Kopfes im Raum auszuwerten. Hierzu gehören auch die Propriozeptoren (Nähe – Fühler) der Halswirbelsäule. Eine Blockierung im Kopf / Halsbereich führt immer auch zu einer Fehlerhaften Wahrnehmung der Kopfhaltung. Diese steht im Widerspruch zu anderen Informationen, die das Gehirn von Auge – Ohren oder auch den Füßen bekommt. Diese fehlende Übereinstimmung wertet unser Gehirn als Schwindel.

 

Ein zervikogener Schwindel ist eine Ausschlussdiagnose, alle anderen Schwindelursachen müssen im Vorfeld ausgeschlossen werden

Das wichtigste Kriterium, nachdem man den Verdacht auf einen Halswirbelsäulen oder zervikogenen Schwindel geäußert hat ist, dass nach einer Manipulation der Schwindel dauerhaft nach wenigen Behandlungen beseitigt ist.

Wenn dies nach kurzer Zeit nicht gelingt und erneute Blockierungen auftreten, muss nach anderen Ursachen wie Kiefergelenks – Störungen oder auch mal Histamin – Intoleranzen oder Nahrungsunverträglichkeiten gesucht werden. Ein zervikogener Schwindel ist jedenfalls deutlich seltener, als er von Patienten und Therapeuten vermutet wird.

 

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