Phobischer Schwindel oder Angstschwindel

Phobischer Schwindel oder Angstschwindel

Eine Phobie bezeichnet eine Angst oder vielmehr eine Angststörung. Eine häufige Angststörung die Patienten mit Schwindelbeschwerden unterstellt wird,  ist eine Agoraphobie. Man spricht von einem phobischen Schwindel oder phobischen Schwankschwindel – manchmal auch einfach Angstschwindel.

Also wörtlich übersetzt bedeutet Agoraphobie die Angst vor dem Marktplatz oder die Marktplatz – Angst. Man fasst darunter Menschen zusammen, die Angst bekommen oder Schwindel, wenn Sie auf einen großen leeren Platz oder einen zu vollen Platz mit vielen Menschen kommen. Auch das Gehen durch die Reihen des Supermarktes löst ein Unsicherheitsgefühl oder Schwindelgefühl aus.

Fehldiagnosen Phobischer Angstschwindel
Ein Angstschwindel oder phobischer Schwindel ist eine häufige Fehldiagnose

Beim phobischen Schwankschwindel kommt medizinisch noch die Erklärung dazu, dass der Patient in der Vorgeschichte mal einen Schwindel hatte (z.B. einen Gleichgewichtsausfall) und dass dieser Schwindel beim Betreten eines Treppenhauses, eines großen Platzes oder im dunklen Zimmer, wenn sich etwas wie z.B. die Gardinen bewegt, zwangsläufig eine Angststörung sein muss.

Es ist beängstigend, wie leichtfertig Patienten Antidepressiva oder ähnliche Medikamente verordnet bekommen, nur weil diese Störung nicht richtig interpretiert ist. Häufig ist das einzige Problem, dass Arzt und Patient einfach nicht die selbe Sprache sprechen. Man redet aneinander vorbei.

Der Mediziner geht davon aus, dass sich jeder Schwindelpatient zwangsläufig an seinen Schwindel gewöhnen muss und dass jeder, der nicht nach drei Monaten beschwerdefrei ist, hat eine Angststörung haben muss.

Lustiger weise geht niemand davon aus, dass man sich an eine Schwerhörigkeit gewöhnen könnte. Dabei handelt es sich im Grunde ja um das gleiche Organ. Der Schwerhörige bekommt ein Hörgerät. Der Schwindelpatient Antidepressive.

Obwohl es sich um das gleiche Organ handelt, erwartet man bei Schwindelpatienten immer, dass der Schwindel per Gesetz zu verschwinden hat.

Wir untersuchen in unserer Ambulanz jeden Patienten zunächst einmal unter völliger Missachtung der bisherigen Beschwerden. Uns interessiert es erstmal nicht, ob Sie Stress, Beziehungs – oder Geldsorgen haben oder andere Faktoren Wir fangen einfach noch mal ganz von vorne an und vertrauen zunächst einmal nur auf unsere diagnostischen Ergebnisse und nicht auf unsere Verdachtsdiagnosen. 

Wir versuchen Fakten zu schaffen und keine philosophischen Diagnosen zu stellen

 

Erstaunlicherweise (oder auch gerade nicht erstaunlicherweise) habe viele oder die meisten der sogenannten Angst – Schwindelpatienten deutlich krankhafte (pathologische) Ergebnisse in den Untersuchungen. Die Symptome, die als Angstschwindel gedeutet werden, entstehen in vielen Fällen durch eine gestörte Fixationssuppression der Augen.

Unter Fixationssuppression versteht man, dass man das Schwindelgefühl (z.B. beim Tanzen) dadurch unterdrücken kann, dass man einen Gegenstand im Raum oder seinen Tanzpartner fixiert. Umgekehrt kann man nicht auf einem Bein stehen, wenn man auf sich auf einen schwingenden Gegenstand konzentriert. Ein anderes Beispiel ist, dass man die Bewegung einer Achterbahnfahrt spüren kann, wenn man einen Film von einer Achterbahnfahrt sieht.

Bei Schwindelpatienten wird das Schwindelgefühl von den Augen unterdrückt. Daher auch der Ausdruck „Fixationssuppression“.  Wenn der Patient aber in ein Treppenhaus oder auf einen großen oder zu vollen Platz kommt, müssen sich die Augen erst einmal orientieren und vergessen für einen kleinen Moment, sich um den Schwindel zu kümmern. 

Man könnte dies in Anlehnung an den Otto-Sketch „Das Wunder des Ärgerns“ auch so als kleines Theaterstück darstellen:

„Großhirn an Auge“ – Auge antwortet nicht, ist beschäftigt.

„Großhirn an Ohr“ – „Ohr an Großhirn – bekomme unterschiedliche Informationen von Rechts und Links – gehe davon aus ,dass wir fallen“

„Großhirn an alle: ALARM – wir fallen, Panik – Gegenmaßnahmen ergreifen. Herzfrequenz steigern, Halt suchen – Sturz verhindern“

„Auge an Großhirn: Regt euch wieder ab – wir fallen nicht. Die Information des Ohres ist falsch. Alles hört auf mein Kommando“

„Großhirn an alle: Ihr habt das Auge gehört. Das Auge hat im Gleichgewichtssystem immer die höchste Befehlsgewalt“