Lagerungsschwindel

Lagerungsschwindel

Der Lagerungsschwindel entsteht immer dann, wenn sich kleine Kristalle aus dem Utriculus (einem Organ zur Wahrnehmung von Schräglagen) in einen anderen Teil des Gleichgewichtsorgans (Bogengang) verirren.

Lagerungsschwindel - durch Kristalle aus dem Utrikulus verursacht.
Utrikulus – ein Schwerkraftorgan des Ohres

Der Hauptunterschied besteht darin, dass die Schwerkraftorgane kleine „Steinchen“ haben, die dafür sorgen, dass Bewegungen verstärkt auf die Sinneszellen einwirken können. Während die Bogengänge nur durch die Trägheit der Inneren Lymph – Flüssigkeit des Ohres erregt werden. Dieses „Nachdrehen“ kennt man

Wenn sich einzelne Steinchen aus dieser „Halterung lösen“ und in der Endolymphe des Gleichgewichtsorgans herumtreiben, dann kann es passieren, dass sich einzelne Steinchen in die sogenannten Bogengänge verirren. In den Bogengängen gibt es eigentlich keine Steine, sondern hier werden Drehbewegungen in der Form registriert, dass die zähe Endolymphe bei einer Bewegung des Kopfes oder Körpers in der Bogengangrichtung länger braucht um der Kopfbewegung zu folgen, als die Kopfbewegung selbst. Hierdurch wird ein Fühler (die Cupula) umgebogen und gereizt. Stoßen jetzt aber die verirrten Steinchen an die Cupula, dann kommt es zu einem Lagerungsschwindel.

Charakteristisch ist, dass dieser Schwindel immer kurz nach einer Bewegung auftritt und nur ca. 30 Sekunden anhält. z.B. Häufig klagen die Patienten beim Kopf in den Nacken legen, Wäsche aufhängen oder nach oben sehen. Aber auch beim Schuhe binden oder Drehen im Bett oder Aufstehen aus dem Bett. Hierbei kommt es zu keinen Hörveränderungen und auch zu keinem Ohrgeräusch (Tinnitus). Auch zu keinen sonstigen neurologischen Symptomen. Wenn irgend ein anderes Symptom dazu kommt, handelt es sich eher um einen Lageschwindel als um einen Lagerungsschwindel.

Ein Lagerungsschwindel lässt sich binnen weniger Minuten von einem ausgebildeten Therapeuten oder medizinischer Kraft heilen, indem man mit dem Patienten zunächst herausfindet, welcher der Bogengänge betroffen ist – und dann mit dem Patienten eine so genannte Lagerung durchführt. Die bekanntesten Lagerungen sind die nach Semont oder nach Eppley – sowie die sog. Barbeque – Lagerung.

Selbst ein ungeübter Patient kann sich selbst von diesem Schwindel befreien, wenn er weiß, wie es geht.
Wir haben für Sie die wichtigsten Übungen in kleinen Videos zusammengestellt

Video's

Lagerungsschwindel – Diagnose und Therapie

Neben der typischen Symptomatik, ist eine charakteristische Beobachtung, dass nach einem gezielten Lagewechsel mit einem kleinen Zeitabstand eine typische Augenfolgebewegung, ein „Nystagmus“, auftritt, den der Patient nicht unterdrücken kann und der auch ohne Hilfsmittel erkennbar ist. Zur gleichen Zeit empfindet der Patient eine Bewegungsillusion.

Die Ursache sind kleine Kristalle, die sogenannten Otolithen, manchmal auch als Otokonien bezeichnet. Diese dienen in ihrer ursprünglichen Funktion der Verstärkung der Schwerkraft und finden sich in den Schwerkraftorganen Sacculus und Utrikulus wieder.

Normalerweise sind die Kristalle dort verankert. Leider gibt es verschiedene Ursachen, wodurch sich die Steinchen lösen können (Unfälle, Medikamente, Verschleiß, Zahnarztbehandlungen etc.) – eine genaue Ursache findet sich häufig nicht.

Typisch für den Lagerungsschwindel sind kurze Schwindelanfälle (Dauer ca. 30 Sek.) die zunächst sehr stark sind und dann langsam besser werden und durch eine Bewegung ausgelöst werden. Aber nicht jeder lageabhängige Schwindel ist gleichzeitig ein Lagerungsschwindel.

Wenn das Schwindelgefühl nicht nach, sondern sofort bei Beginn der Bewegung auftritt, handelt es sich häufig nicht um einen Lagerungsschwindel. Bei einem Lagerungsschwindel muss nämlich zuerst die Trägheit der Endolymphe überwunden werden. Dies passiert nicht bei Beginn der Bewegung. Bewege ich aber einen Patienten mit einem ausgefallenen Gleichgewichtsorgan auf die gesunde Seite, tritt sofort Schwindel auf.

Den Lagerungsschwindel kann man nicht medikamentös therapieren – je nach Lokalisation der Steinchen gibt es aber sogenannte Befreiungsmanöver um die Kristalle wieder an ihre ursprüngliche Position zu bringen.
Je nach Lage der Steinchen wäre dies z.B. das Semont – Manöver oder die Lagerung nach Epley. Videobeispiele finden Sie in unserer Videoabteilung zur Selbsthilfe

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Wir können Ihnen helfen, den betreffenden Bogengang zu finden und ein geeignetes Lagerungsmanöver durchzuführen. Da auch andere Gleichgewichtserkrankungen wie ein Lagerungsschwindel aussehen können (Morbus Meniere, Neuropathia vestibularis und andere) ist es v.a. bei länger anhaltenden Beschwerden sinnvoll sich in einer Spezialambulanz vorzustellen.

Häufig ist der Lagerungsschwindel aber auch eine Fehldiagnose – gerade Patienten mit einem sogenannten chronischen oder therapieresistenten Lagerungsschwindel haben nicht selten eine falsche Diagnose erhalten

In unserer Schwindelambulanz ist der Lagerungsschwindel nicht die häufigste Diagnose, aber mit Abstand die häufigste Fehldiagnose, die wir erkennen müssen, um dem Patienten die richtige Diagnose und auch Therapie zukommen zu lassen.

Aus diesem Grund ist die Lageprüfung bei uns nur ein wichtiger Teil eines großen Puzzles. Nur Patienten, die am Untersuchungstag auch vollständig untersucht werden, haben die Gewissheit, dass nach dem heutigen Stand der medizinischen Möglichkeiten nichts übersehen wird. Daher sind wir für Sie immer wieder dabei zu modernisieren und sinnvolle Diagnostik ständig zu erweitern.

Gern sind wir für Sie da und beraten Sie auch zum Thema Altersschwindel, Morbus Meniere, Gleichgewichststörung oder Schwankschwindel.

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