Hörsturz

Hörsturz (Ein akuter Hörverlust)

Der sogenannte Hörsturz ist eine der am häufigsten gestellten Diagnosen im HNO – Fachgebiet – aber auch eine der häufigsten Fehldiagnosen. Interessanterweise ist es bei diesem Krankheitsbild so, dass man eine Diagnose stellt ohne die Ursache der Beschwerden wirklich zu kennen. Es gibt keine eindeutige Erklärung für das Krankheitsbild. Es gibt nur Hypothesen.

Typisch ist, dass Patienten über eine plötzlichen Hörverlust klagen ohne erkennbare Ursache. Wenn sich diese Symptomatik über Stunden oder Tage hält, geht man von einem Hörsturz als Ursache der Beschwerden aus.

Meniere Audiogramm oder Hörsturz im Tieftonbereich
Typischer Tiefton – Hörverlust beim M. Meniere

Als Ursache des Hörsturzes werden Entzündungen des Ohres oder des Hörnervs sowie Durchblutungsstörungen des Ohres diskutiert. Auch Stress, Fehlstellungen der Halswirbelsäule oder ähnliches werden verantwortlich gemacht.

Die einzige anerkannte Therapie besteht in der Gabe von Kortison, falls sich innerhalb von 48 Stunden keine Besserung einstellt. Hierzu existieren mehrere Behandlungsschemata (z.B. nach Stennert). Die Behandlung kann genauso gut mit Tabletten wie mit Spritzen oder Infusionen erfolgen.

Die gerne durchgeführten Infusionen mit diversen Inhaltsstoffen haben keinerlei nachweisbaren Effekt.

Böse Zungen könnten auch sagen:  Diese Infusionen sind Geld-macherei und der Patient wird wieder besseres Wissen aus seiner Not heraus vom Arzt ausgenutzt.

Wenn man ehrlich ist, muss man sagen:

Ein Hörsturz ist, wenn der Patient nichts mehr (oder schlechter) hört und weder der Arzt noch der Patient weiß warum. Im Grunde ist der Hörsturz ein Offenbarungseid, dass der Arzt auch nicht weiß, was dem Patienten fehlt.

Ein Hörsturz mit vestibulärer Beteiligung ist daher eigentlich Quatsch.

Bei dieser Konstellation handelt es sich in der Regel um einen M. Meniere (s. dort), eine Paroxysmie, ein Schwannom oder eine Vestibuläre Migräne.

Von ganz entscheidender Wichtigkeit, um auch keine anderen Krankheiten zu übersehen, ist eine sorgfältige und vollständige Untersuchung nach aktuellen medizinischen Erkenntnissen. Mit den heutigen Möglichkeiten kann man die einzelnen Funktionen, von den Haarzellen des Ohres, bis zur Funktion des Hörnervs genau untersuchen.

Natürlich muß auch eine Ohr mikroskopische Untersuchung und eine Druckmessung des Mittelohres erfolgen. Dies kann nur ein HNO – Facharzt.

Viele Hörstürze sind in Wirklichkeit Ohrenschmalz, Paukenergüsse oder eine verschleppte Mittelohrentzündung. Manchmal auch einfach Reste von Wattestäbchen oder ein wenig Wasser, welches nach dem Duschen im Ohr verblieben ist.

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