Bogengangsdehiszenz

Dehiszenz des oberen Bogenganges
(Bogengangsdehiszenz)

Die Bogengangsdehiszenz ist eine seltene anatomische Veränderung des Gleichgewichtsorgans. Als Ursache geht man in den meisten Fällen von einem Unfall im Kindesalter aus, die dazu geführt hat, dass sich ein Teil des knöchernen Daches des Gleichgewichtorgans nicht geschlossen hat. Man spricht von einer Ossifikationsstörung (Knochenbildungsstörung). Im Erwachsenenalter können sich dann durch Veränderung des Druckes im Kopf die Hirnhäute leicht verschieben, dadurch entsteht eine ungewollte Verbindung vom Innenohr zum Gehirn.

Es gibt Patienten, die durch laute Töne Schwindel bekommen können, andere sind in der Lage die eigenen Augenbewegungen zu hören wie bei einem Scheibenwischer im Auto. Es kommt sogar zu Ohnmachtsanfällen, manchmal auch Sturzattacken bei lauten Tönen. Diese Patienten können z.B. mit dem VEMP’s erkannt werden. In einer anschließend durchgeführten Computertomographie kann der Befund dann gesichert werden.

Bogengangsdehiszenz
Typischer Befund bei einer Bogengangsdehsizenz des oberen Bogenganges

Die Behandlung besteht zunächst in einer medikamentösen Therapie. Bewährt haben sich Betablocker wie Metoprolol, die den Druck im Gehirn senken können. Hier nutzt man eine Nebenwirkung als gewünschtes Therapieziel. Wichtig ist, wie bei anderen Gleichgewichtserkrankungen auch, eine sinnvolle kombinierte Therapie mit gezielten Gleichgewichtsübungen. Bei einem Versagen der medikamentösen Therapie,  ist eine Operation, bei der der obere Bogengang verschlossen wird eine Option. Dies kann über verschiedene Techniken erreicht werden. Wir haben erfahrene Kollegen, mit denen wir zusammenarbeiten für diesen seltenen Eingriff. Entscheidend ist einen Kollegen aufzusuchen, der Erfahrung und Routine bei diesem Eingriff hat.

Die Operation durch das Mittelohr hindurch ist aus unserer Erfahrung als deutlich sicherer einzustufen als die Behandlung über eine Abdeckung des Defektes über einen neurochirurgischen Zugang.

In der ersten Zeit nach Entdeckung dieses Krankheitsbildes wurde sehr viel operiert, teilweise mit frustranem Ergebnis. Dadurch wissen wir aber heute auch, welche Operationen erfolgversprechend sind und welche nicht.

Die beste Operation ist aber die, die nicht gemacht wird. Deshalb werden wir zunächst versuchen, mit konservativen Mitteln einen Erfolg zu bekommen.